Wir laden Sie ein zum ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche, Gestaltung: Pfarrer Jens Liedtke-Siems und Katechetin Regula Truninger. Mitwirkung der Singgruppe. Anschliessend Suppenzmittag in der Turnhalle Mühli mit Auftritt der Tanzgruppe "roundabout".
Matzingen, anfangs Januar 2026: Ich sitze mit meinem Sohn Keanu auf dem Sofa. In meiner Hand eine Schachtel mit Bildern. Vorsichtig hole ich ein Bild aus der Schachtel. Es zeigt einen optimistischen jungen Mann. Mein erster Studentenausweis aus dem Jahre 1991!
Mein Sohn Keanu sieht mich irritiert an: „Papa, du hattest ja mal so richtig viele Haare. Wahnsinn!“ Dann schaut er sich den Studentenausweis näher an. „Du hast mal in Bayern studiert! Das wusste ich gar nicht. Ich dachte immer, du kannst die Bayern nicht so leiden. Wegen dem Fussball und so.“
Es wurde ein langer Nachmittag. Stück für Stück, Bild für Bild, tauchte ich mit meinem Sohn in meine Lebensgeschichte ein. Wir haben zusammen gelacht, gestaunt und auch ein wenig getrauert bei den Bildern, die mich zusammen mit meiner längst heimgegangenen Mutter zeigen.
Für mich eine wunderbare Etappe auf dem Weg hin zu einem sehr ungewöhnlichen Auftrag. Vor Monaten schon hatte ich mit dem Seniorenclub Matzingen abgemacht, dass ich Mitte Januar aus meinem Werdegang berichten sollte. Spätestens ab Weihnachten wurde ich immer nervöser. Wer will schon einen ganzen Nachmittag Anekdoten aus dem Leben des Pfarrers hören? Ich wurde immer skeptischer. Wenigstens mit ein paar guten Fotos wollte ich die Präsentation auflockern. So landete ich nach einiger Suche im Estrich bei der Bilder-Box.
Allein wollte ich nicht auswählen. Mein Sohn Keanu sollte helfen. Und dann ist mir etwas aufgefallen und das möchte ich dir nun unbedingt mit auf den Weg geben: Mein Sohn kannte fast nichts über meinen Werdegang! In all den letzten Jahren drehte sich praktisch alles um den sich entfaltenden Werdegang unserer Kinder. Da war nie Platz, nie Zeit, dass ich auch mal erzählen konnte. Wie viel wissen wir also wirklich voneinander? Bitte überlege Dir mal diese Fragen: Was wissen eigentlich meine Nächsten über mich und meinen Lebensweg? Sind sie gut im Bilde oder tappen sie im Dunkeln? Wenn Deine Antwort ist, dass Du für Deine Mitmenschen eigentlich ein Fremder bist, dann kannst Du das ändern. Erzähle dann mal von Dir, wenn Deine Familie um Dich herum ist! Zeige Bilder, lass Deine Nächsten Anteil an Deiner Seele haben. Das ist wichtig, das schliesst eine Lücke, die eventuell irgendwann nicht mehr zu schliessen wäre. Immer wieder spüre ich nämlich diese Lücken, wenn ich zu Trauergesprächen gehen muss.
Dann fallen doch recht häufig Sätze wie: „Eigentlich wissen wir über das Aufwachsen von unserem Vater gar nicht viel!“ oder „Was meine Mutter dann nach Schule gemacht hat, dies wissen wir alles nicht mehr.“
Ich spüre in diesen Situationen dann die Beklommenheit, die Endgültigkeit drückt auf den Schultern der Anwesenden, als wenn es schwere Steine wären. Es muss aber nicht so weit kommen!
Für mich war der ungewöhnliche Auftrag des Seniorenclubs ein Segen, für meinen Sohn auch. Meine Tochter wird auch noch zu einer späteren Zeit von mir „eingeweiht“ werden. Der Nachmittag Mitte Januar war für mich eine echte Ermutigung. Der Saal war voll und ich spürte grosse Sympathie mir gegenüber, als ich aus meinem Leben referierte. Ich habe im Vortrag kein Tal meines Weges ausgelassen, von dem Unverständnis über meine Berufswahl, über das gescheiterte Auswandern nach Amerika, bis hin zum schnellen Tod meiner geliebten Mutter.
So ist eben unser Leben: ein Wandern durch Höhen und Tiefen. Darüber dürfen und sollen wir ruhig sprechen. Es ermutigt, wenn man hört und sieht, dass jede und jeder von uns so seinen Rucksack mit sich trägt.
Für alle, die meinen Vortrag nicht hören konnten, biete ich eine gekürzte Version am 15. März direkt nach dem Gottesdienst an. Dann tauche ich gerne 30 Minuten in meinen Lebensweg mit euch ein.
Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute!
Dein Jens Liedtke-Siems