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OUTDOOR-ABENTEUER FÜR KINDER



Herzliche Einladung an die Kinder zum Outdoor-Abenteuer am Sonntag, 26. April 2026, 09.45 - 11.15 Uhr, beim Kirchgemeindezentrum


Gedanken aus dem April-Band

NUR EIN DORFPFARRER?!


Vor kurzem klingelte bei mir im Pfarramt das Telefon. Eine Nummer aus Deutschland. Gespannt nahm ich den Hörer ab und hörte eine vertraute Stimme. Es war Guido, ein Pfarrkollege aus dem Rheinland, mit ihm zusammen hatte ich meine praktische Ausbildung gemacht. „Jens!“ tönte es aus dem Telefon. „Jens, Du bist ja in der Schweiz gelandet. Das ist spannend!“. Guido schien ehrlich erfreut, dass er mich mit Hilfe des Internets gefunden hatte. Im Anschluss erzählte er erstmal ausführlich von seinen beruflichen Erfolgen. Er war aufgestiegen in der kirchlichen Hierarchie, hatte es zum Leiter der gesamten Spitalseelsorge in der Landeskirche gebracht. Nach einer Viertelstunde war er mit seinem Bericht fertig und fragte mich: „Ja, jetzt erzähl du mal! Was hast du denn für eine Gemeinde jetzt?“

Ich berichtete ihm von Matzingen, von diesem schönen Ort, von unserer kleinen, aber feinen Kirchgemeinde, ich erklärte ihm alles über die Thurgauer Art, wie Kirche funktioniert. Am Ende meiner Ausführungen war ein Moment Stille in der Leitung. Dann platzte es aus Guido raus: „Jens, du bist Dorfpfarrer geworden! Hätte ich nie gedacht!“

Mich hat das in den letzten Wochen beschäftigt. „Dorfpfarrer!“, ja, jetzt wo Guido das so aussprach, da kam es wieder bei mir hoch. In meinen jüngeren Amtsjahren war unter uns jüngeren Pfarrleuten in Deutschland der Titel „Dorfpfarrer“ eine Art Schimpfwort, so nach dem Motto: Zu mehr hat es nicht gereicht!

Ihr Lieben, ich habe mit der Bezeichnung kein Problem. Ich bin gerne Dorfpfarrer mit allen Vor- und auch mit den paar Nachteilen. Ich möchte euch gerne zunächst einige Vorteile nennen:
Ein grosser Vorteil ist, dass ich die Gemeinde wirklich gut kennenlernen darf. Es ist möglich. Dann ist es für mich ein Vorteil, dass ich hier von Mensch zu Mensch reden, predigen, leben darf. Ich muss mich nicht in meinen Predigten hinter Zitaten von Luther, Zwingli und anderen Geistesgrössen verstecken. Ich schätze die Vielfältigkeit meiner Arbeit, ich bin einfach für alle da, es gibt in dem Sinne keine Schwerpunkte und keine Abgrenzungen. Mir gefällt das. Schön ist für mich auch, dass ich im Alltag meiner Gemeinde immer wieder begegnen darf. Letztens war ich wegen meiner Schulter bei der Physio und traf direkt vier Gemeindeglieder auf einen Schlag.

Nachteile gibt es sicher auch mal. So kann ich nicht mal eben in der Menge untertauchen und beim Einkauf sieht jeder, dass der Herr Pfarrer mal wieder Schoggi in grösserer Anzahl gekauft hat.

Ihr Lieben 
Danke, dass ich Euer Dorfpfarrer sein darf. Ich möchte gerne mit Euch in die Zukunft gehen und dabei meine Erfahrungen und Gedanken weitergeben, einfach, ehrlich, hoffentlich auch mal lustig und ganz sicher immer von Herzen gesprochen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns über Ostern in den Gottesdiensten sehen könnten. Denn eines habe ich Guido auch sagen können: Bei uns, da stehen die Menschen noch zu ihrer Kirche und kommen auch immer wieder zusammen, um den Glauben zu erleben und die Hoffnung auf gelungenes Leben zu teilen.

In dem Sinne, bis bald!
Euer Dorfpfarrer Jens Liedtke-Siems