Wir laden Sie ein, an der Kirchgemeindeversammlung vom 8. Februar 2026, 11.00 Uhr, in der Kirche teilzunehmen.
Themen:
Herzliche Einladung zum Gottesdienst mit Familienplausch
Der jährliche Bibelübergabe-Gottesdienst mit den 4. Klässlern bekommt ein neues Gewand.
Weitere Details auf dem Flyer.
Seit 12 Jahren lebe ich nun in der Schweiz, bin hier Gemeindepfarrer. Ich habe so manches über dieses vielfältige Land lernen dürfen, über Essensgewohnheiten, über die Sprache, über Traditionen, viele Lektionen sind das bisher gewesen. In diesen Tagen kam eine weitere Lektion hinzu, und die hat mich sehr bewegt und mich der Schweiz noch näher gebracht. Ich erlaube mir immer wieder auch ein persönliches Wort an Euch, in den Predigten und auch in meinen Artikeln. Das ist mein Stil, ich möchte mich nicht hinter Floskeln verschanzen und so schreibe ich ganz offen zu euch über meine Gefühle einige Zeit nach der furchtbaren Brandkatastrophe in Crans-Montana.
Ich habe eben bisher noch keine schwere Katastrophe in meiner Zeit in der Schweiz erleben müssen, Gott sei Dank! Aber nun ist es geschehen und es ist eine furchtbare Tragödie! So viele Menschen mussten in der Nacht sterben, wo man sich doch sonst so auf die Zukunft im neuen Jahr freuen will. So viele Menschen sind verletzt, für ihr Leben gezeichnet. Ganz viele Familien sind für immer verändert worden. Ich glaube, wir alle haben diese Nachrichten, diese Bilder noch sehr lebendig vor Augen. Und dann habe ich die Reaktionen im Lande beobachtet und das fand ich stark und ermutigend: Es wurde gebetet, es wurde mitgelitten, es gab Schweigeminuten, auch bei uns in Matzingen, Hilfsaktionen aller Art, die Menschen haben in der Not zusammengestanden und waren bewegt vom Schicksal der Opfer, gerade auch vom Schicksal der vielen jungen Opfer.
„Wo war Gott in der Nacht in Crans-Montana?“ fragte mich eine Frau aus der Gemeinde, als wir uns zufällig beim Einkaufen trafen. Immer wenn wir von Katastrophen hören und sehen, dann stellt sich diese Frage sofort: Konnte Gott nicht dieses Unglück verhindern? Ich möchte gerne darauf als Theologe meine Einschätzung abgeben. Gott hat diese Welt geschaffen und ihr bestimmte Naturgesetze gegeben. Diese Gesetze geben uns Menschen Sicherheit, sie führen uns aber auch immer wieder an unsere Grenzen und darüber hinaus. Es war ganz gewiss nicht Gottes Wille, dass die Feiernden in der Silvesternacht so Schlimmes erleiden mussten. Und schon gar nicht ist es die Strafe Gottes für das „zügellose“ Leben der heutigen Jugend. Auch diese Einschätzung musste ich vor kurzem hören. Gott steht auf der Seite der Schwachen, der Leidenden, der Opfer, und zwar immer! Ich möchte uns gerne an die Geschichte aus Johannes 9 erinnern. In der Erzählung wird ein blind geborener Junge von Jesus geheilt. Die Schriftgelehrten wollen von Jesus wissen, wer denn schuld ist, dass der Junge überhaupt blind geboren worden ist. Jesus antwortet sinngemäss: „Weder der Junge noch seine Eltern sind schuld. Wichtig ist, dass aus allem etwas Gutes zur Ehre Gottes werden kann“.
So sehe ich das auch bei der Tragödie aus der Silvesternacht. Es ist leider passiert und natürlich wird die Frage nach der Schuld auch diskutiert und möglichst geklärt werden müssen. Aber wichtig ist, dass in all dieser Dunkelheit ganz viele Lichter der Anteilnahme und der Nächstenliebe leuchten und weiterleuchten. Ich habe in dieser positiven Richtung ganz viel gespürt in der letzten Zeit und ja, das hat mich tief bewegt! Ich wünsche unserem Land Gottes Segen in dieser Zeit und weiterhin einen bleibenden, tiefen Sinn für Zusammenhalt und Nächstenliebe!
In dem Sinne grüsse ich Euch alle sehr herzlich aus dem Pfarramt!
Euer Jens Liedtke-Siems