Wir laden Sie herzlich ein zum Gottesdienst mit Tauferinnerung. Die Reli-Schülerinnen und -Schüler der 3. Klasse wirken in diesem Gottesdienst mit. Anschliessend Kirchenkaffee im Kirchgemeindezentrum.
In den Gottesdiensten unserer Kirchgemeinde sind wir es gewohnt, dass wir über die ganz grossen Themen des menschlichen Daseins sprechen. Woher kommen wir, wohin gehen wir und was passiert am besten dazwischen? Das ist auch wichtig, dass wir das tun! Es sind schliesslich die grossen Themen des Lebens, die uns immer wieder als brandaktuell vor die Füsse fallen.
Daneben gibt es aber auch immer wieder die schönen, erfüllten Momente des Alltags. Das sind Momente, kurze Begegnungen der Menschlichkeit, der Nächstenliebe, Augenblicke, wo wir uns von Mensch zu Mensch wahrnehmen. Ich suche immer wieder nach solchen Momenten im Alltag der Welt! Magst Du mal einen Moment mit mir suchen gehen?
Also, diese Begegnungen im Alltag, von Mensch zu Mensch, die sind kostbar und mal bin ich der Empfangende, mal bin ich aber auch der Aussendende. Egal, ob ich Momente der Menschlichkeit empfangen darf oder sie aussende, in jedem Fall ist es ein bewusstes Wahrnehmen meiner Umgebung, ein Wahrnehmen der Menschen, die um mich herum sind. Das kann man einüben, man kann diese Momente auch suchen und sich dann in ihnen für den Moment wärmen. Ich erlebe es so, dass es auch gut ist, wenn diese besonderen Momente immer wiederkehrend in meinen Alltag eingebaut sind. Ein Beispiel gefällig?
Vor über 12 Jahren sind wir in die Schweiz gekommen, ins Glarnerland. Eines Tages durfte ich im Coop in Niederurnen einkaufen. Meine bessere Hälfte, Christiane, schärfte mir ein: „Hör gut zu, was die Frau an der Kasse zu dir sagt, bedanke dich herzlich und vergiss nicht, dass du ab jetzt mit dem Schweizer Franken bezahlen musst!“
So weit, so gut. Ich bin dann mit meiner Einkaufsliste in den Coop gefahren und dann an der Kasse ging es ganz schnell: „76 Franken und 50 Rappen, bisch so guet?! (Ich gebe ihr das Geld und denke: und wenn ich nicht so gut bin und mein Geld lieber behalten will?) Märggli wällä? Quittung wällä? (Ich schaue die Verkäuferin verlegen an, murmele „Auf Wiedersehen“ und verschwinde!)
Meine Frau wartet gespannt zu Hause, wie es denn gelaufen war. Ich zeige ihr die Waren und berichte, dass die Verkäuferin von Märggli wällä und Quittung wällä gesprochen hat. Wir fanden dann heraus, dass es in der Schweiz eine durchaus etablierte Sache ist, wenn man diese Einklebemarken sammelt.
Zwei Wochen später begann dann meine „Märggli“-Karriere, welche bis heute andauert. Ich sammle aber gar keine! Weder Coop noch Migros noch sonst irgendwo. Aber ich drehe mich immer mit einem Strahlen im Gesicht zu den nachfolgenden in der Einkaufsschlange um und frage: „Oder sammeln Sie Märggli?“ Schon oft haben sich daraus gute Gespräche ergeben, schon oft haben sich Menschen jeden Alters über die zusätzlichen Märggli gefreut. Und mir tut es dann auch gut! So Momente suche ich! Immer wieder.
Ich wünsche Dir ganz viele solch schöner Momente der Menschlichkeit in dieser lieben Sommerzeit. Und wenn Du was in die Richtung erlebt hast, dann melde Dich mal bei mir im Pfarramt. Ich würde sehr gerne erfahren, was für Erfahrungen Du gesammelt hast.
Bis dahin, herzliche Sommergrüsse
Dein Jens Liedtke-Siems